💊 PaSo's Virtuelles Medizinmuseum: Erka "Erkameter 300" Blutdruckmesser (Sphygmomanometer), Manschette / GeblĂ€seball erneuert, 1960'er Jahre

Der gezeigte Erka "Erkameter 300" Blutdruckmesser wurde in den 1960'er Jahren gebaut, die Manschette sowie der GeblÀsebalg wurden 2010 ersetzt.

Weitere Informationen unter: ↗ Sphygmomanometer

Eine kurze Geschichte der Blutdruck Messung:

Bereits in alten Ägypten wurde der Zusammenhang zwischen Herzschlag und Puls erkannt. In einem der Ă€ltesten bekannten medizinischen Schriften, dem sog. „Papyrus Ebers“ - Geschrieben wohl im 16. vorchristlichen Jahrhundert. Darin wurden verschiedene Krankheiten, Symptome und deren Behandlung beschrieben.

Der griechische Arzt und Anatom Galenos von Pergamon beschrieb bereits im 2. Jahrhundert zwei verschiedene Arten von BlutgefĂ€ĂŸen und BlĂŒtern, nĂ€mlich dunkles und helles Blut. Den unterschiedenen BlĂŒtern schrieb er verschiedene Aufgaben zu. Wachstum und Energie kĂ€men von dem dunkleren Blut, das in der Leber aus Galle gebildet und ĂŒber die Venen in das Körpergewebe transportiert wĂŒrde. Hingegen brĂ€chte das aus dem Herz kommende helle Blut VitalitĂ€t durch die enthaltene Luft. Nach seinen Vorstellungen floss Blut aus diesen beiden Organen jeweils in alle Teile des Körpers, wo es gebraucht und verbraucht werde. Ein RĂŒckstrom zu Herz oder Leber fand hiernach nicht statt. Auch kam dabei dem Herz keine pumpende Aufgabe zu.

Der arabische Arzt Ibn an-NafÄ«s entdeckte im 13. Jahrhundert den heute sog. kleinen Blutkreislauf oder Lungenkreislauf. Seine Erkenntnisse, die als Zeichnungen bis in die heutige Zeit ĂŒberliefert sind, gelangten jedoch damals nicht in den europĂ€ischen Raum. Erst im laufe des 16. Jahrhundert durch den spanischen Arzt Michel Servet wurde dies wieder publiziert.

Erst im 17. Jahrhundert erkannte der englische Arzt William Harvey den kompletten Blutkreislauf. Was William Harvey von vielen seiner Zeitgenossen unterschied, war seine klare Trennung von Hypothesen und Fakten. Ergebnisse seiner Forschungen akzeptierte er erst, wenn sie auch in Kontrollversuchen bestĂ€tigt wurden. Er war somit der erste, der wissenschaftliche Methoden auf dem Gebiet der Biologie und Medizin einfĂŒhrte, und kann somit als einer der BegrĂŒnder der neuzeitlichen Medizin betrachtet werden.

Riva-Roccis bedeutendste Leistung war 1896 die Erstbeschreibung einer pneumatischen Armmanschette fĂŒr ein Quecksilber-BlutdruckmessgerĂ€t, das die Weichteile und Arterien des Oberarmes gleichmĂ€ĂŸig komprimierte und damit eine einfache indirekte Messung des systolischen Blutdrucks erlaubte.

Das 1896 auf dem italienischen Kongress fĂŒr Innere Medizin vorgestellte, indirekte, unblutige und einfach anzuwendende Verfahren zur Blutdruckbestimmung entwickelte sich rasch zur Standardtechnik der Ă€rztlichen Diagnostik und erleichterte die Behandlung der Hypertonie, dem Bluthochdruck. Das KernstĂŒck der Messung ist eine Oberarmmanschette, die eine gleichmĂ€ĂŸige zirkulĂ€re Kompression ermöglichte.

Gleichzeitig kann der Arzt mit tastenden Fingern bequem die Pulsationen der Arterie am Handgelenk fĂŒhlen. Riva-Rocci erkannte die Mitte des Oberarmes als geeignetste Stelle fĂŒr die Komprimierung und vereinfachte die Apparatur, indem er statt eines starren Zylinders einen Gummischlauch verwendete, der um den Arm geschlungen aufgeblasen wird. Die Ausdehnung des aufgeblasenen Schlauchs wird durch eine zirkulĂ€re Lederbahn begrenzt. Neben dem Quecksilbermanometer wird ein Gummiball zum Aufpumpen der Manschette benötigt, darĂŒber hinaus muss der Patient fĂŒr eine korrekte Messung den Oberarm entblĂ¶ĂŸen. Der mit Manschette am Oberarm und Tasten des Pulses gemessene Blutdruck wird auch heute noch mit „RR“ - nach Riva-Rocci - abgekĂŒrzt.

Nikolai Korotkow beschrieb 1905 die Wahrnehmung von GerĂ€uschen bei der Blutdruckmessung - mithilfe eines Stethoskops und stellte seine Messmethode vor. Am 13. Dezember erschien eine weitere Mitteilung Korotkows zur Blutdruckmessung, in der er Ergebnisse von Tierversuchen mitteilte, wonach die wahrgenommenen GerĂ€usche lokalen und nicht kardialen Ursprungs seien. Diese Berichte verursachten eine lebhafte und kritische Diskussion ĂŒber die Ursachen des PhĂ€nomens, die neue Methode wurde in Russland bald aufgegriffen und mehrfach experimentell bestĂ€tigt. Das GerĂ€usch, das bei der Verwirbelung des Blutes beim Messen des Blutdrucks entsteht, wird als Korotkow-GerĂ€usch bezeichnet.

Der Blutdruck wird mit zwei Zahlen angegeben, in diesem Beispiel RR115:80

Das „RR“ steht fĂŒr: Gemessen nach „Riva-Rocci“

Die Zahlen werden „HundertfĂŒnfzehn zu Achtzig“ ausgesprochen.

Der erste Wert beschreibt den systolischen Blutdruck. Bei der Herzarbeit handelt es sich um einen wellenartigen Pumpvorgang. Jedes Mal wenn sich die linke Herzkammer zusammenzieht, wird das Blut stoßartig in die Hauptschlagader (Aorta) gepumpt, was den Blutdruck in den GefĂ€ĂŸen kurz ansteigen lĂ€sst. Der dabei erreichte maximale Druck wird als oberer Blutdruckwert oder auch als systolischer Blutdruck bezeichnet. Systole kommt aus dem altgriechischen und bedeutet ungefĂ€hr „das Zusammenziehen“.

Der zweite Wert beschreibt den diastolischen Blutdruck. Nachdem sich die linke Herzkammer beim Pumpvorgang zusammengezogen hat, muss sich die Herzkammer fĂŒr den nĂ€chsten Pumpstoß erst wieder mit Blut fĂŒllen. DafĂŒr entspannt sich die Kammer. In dieser Entspannungsphase, in der kein weiteres Blut in die Hauptschlagader gepumpt wird, fĂ€llt der Druck in den BlutgefĂ€ĂŸen langsam ab - Bis der nĂ€chste Blutstoß aus dem Herzen kommt. Der dabei erreichte niedrigste Druck wird als unterer Wert oder auch als diastolischer Blutdruck bezeichnet. Dieser Begriff kommt auch aus dem altgriechischen und Bedeutet „Ausdehnung“. Bei einem Blutdruck von 120 zu 80 mmHg beim erwachsenen Menschen pulsiert also der Druck stĂ€ndig wellenförmig zwischen 120 und 80 mmHg hin und her.

Der Patient sollte zuerst etwas ruhen, um einen Ruheblutdruck zu erhalten, sonst ist die Messung ggf. verfÀlscht.

Die Manschette wird am linken Arm angebracht, ungefÀhr auf der Höhe des Herzens. Mit einem Stethoskop werden auf Höhe der linken Armbeuge die StrömungsgerÀusche abgehört.

Der Druck in der Manschette wird nun langsam erhöht, sobald der untere (diastolische) Wert ĂŒberschritten wurde, sind die Korotkow-GerĂ€usch zu hören. Diese verstummen erst, wenn der Druck in der Manschette den systolische (oberen) Druck ĂŒbersteigt.

Jetzt wird der Druck in der Manschette langsam abgelassen und die Skala des Manometers beobachtet. Der Punkt, an dem die GerÀusche wieder einsetzen, ist der systolische Druck, der Druck wird weiter abgelassen und wenn die GerÀusche wieder verschwinden ist der diastolische Druck erreicht.









Erstellt durch: PaSo's MuseumsWelt V5.01.04 Edition #Neuland / Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO)
Erstellt am: 30.09.2022 11:07